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Seherin ist zu sehen

Im November: Ausstellung über Sibylla Weiß

AILSBACH — Die fränkische Seherin Sibylla Weiß kehrt zurück. Nach über 700 Jahren ist sie ab 13. November im Rahmen einer Ausstellung von Emil Jenne im Ailsbacher Hirtenhaus zu sehen und zu hören.


An den beiden Eröffnungstagen, Samstag, 13. November, ab 19.30 Uhr und Sonntag, 14. November, ab 16 Uhr wird die Seherin - in Gestalt des 24-jährigen Fotomodells Angela Weiß aus Schwabach - persönlich anwesend sein, aus ihrem frommen Leben erzählen und ihre Beweggründe für ihre Lebensgestaltung mitteilen. Daneben sind von ihr Fotografiken - Kombinationen aus Fotografie, gotischem Schriftbild und mittelalterlicher Buchmalerei - ausgestellt.

Sibylla Weiß lebte im 13. Jahrhundert auf einem Schloss bei Ailsbach. Sie heilte die Armen, las in den Sternen und sagte die Zukunft voraus. Alles, was sie vorhergesagt hat, traf bis zum heutigen Tage zu. Fast täglich ging die Seherin mit ihrem Esel zum Lauberberg. Dort oben betete sie vor einem Bildnis zum heiligen Antonius von Padua. Sie nahm immer den selben Weg. Wo sie hintrat, bildete sich - angeblich bis heute - kein Reif oder Tau.

Eines Tages wurde sie beim Gebet vom Teufel heimgesucht. Ihn störte ihre Frömmigkeit, weshalb er von ihr verlangte, dass sie ihre täglichen Andachten aufgeben solle. Doch sie blieb standhaft. Der Teufel wurde immer zorniger und wollte ihr schließlich Gewalt antun. In Todesangst schrie Sibylla laut: "Heiliger Antonius, hilf!" Da floh der Teufel in die Erde und ließ sie von da an in Ruhe.

Als Dank für ihre Rettung stiftete sie die Antoniuskapelle auf dem Lauberberg. Als ihr Ende nahte, ordnete sie an: "Meine Leiche legt auf meinen Esel. Lasst ihn gehen, wohin er will. Er wird mich zur Antoniuskapelle bringen. Begrabt mich so nahe wie möglich bei der Kapelle. Wenn aber einst mein Grab von der Mauer weichen wird, dass ein Reiter herumreiten kann, dann naht der jüngste Tag."

Als sie starb, geschah, was sie angeordnet hatte. Und ihr Grab wanderte im Laufe der Zeit tatsächlich von der Mauer weg. Die Leute versetzten daraufhin die Mauer, um den jüngsten Tag abzuwenden.

Zur Entstehung des Sibylla-Weiß-Fotoprojekts: Der künstlerische Fotograf und Journalist Emil Jenne kam während der Recherche für einen Farbbildband im Landkreis Erlangen-Höchstadt in den kleinen Ort Ailsbach und hörte dort von der Seherin. Zunächst interessierte er sich dafür nicht.

Eines Nachts jedoch, behauptet Jenne, habe sich die Seherin bei ihm zu Wort gemeldet und ihn angeblich darum gebeten, ihren Namen, ihre Aufzeichnungen und ihr Grab wiederzuentdecken. Über Jahre hinweg habe ihn diese kurze nächtliche Begegnung nicht mehr losgelassen, schreibt der Fotograf. In einer ganzen Serie von Zufällen sei er immer wieder mit diesem Thema konfrontiert worden, was ihn letztendlich zur Umsetzung des fotografischen Projekts ermutigt habe.

Neben den Grafiken von Sibylla Weiß sind in einem zweiten Ausstellungsraum Aufnahmen des Ortes Ailsbach und seiner Bewohner zu sehen.

Weitere Informationen: Die Ausstellung im Ailsbacher Hirtenhaus ist geöffnet:
mittwochs (17./24. November, 1. Dezember), von 14 bis 18 Uhr;
samstags (13./20./27. November, 4. Dezember), von 16 bis 22 Uhr
sowie sonntags (14./28. November, 5. Dezember), von 14 bis 19 Uhr

Text unter dem Foto:
Das Thema Sybille Weiß hat den Fotografen Emil Jenne nicht mehr losgelassen. Jetzt hat er seine Träume in Bilder umgesetzt.

© Copyright:
Nordbayerische Nachrichten
Dienstag, 28. September 2004
Höchstadt und Umgebung, B2, Seite 3
Foto: Christa Jenne