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Als eine ganze Stadt Kopf stand — Emil Jenne dokumentierte den Höchstadter historischen Festzug in einem Bildband

HÖCHSTADT (kat) — Ein Lichtblick unter grauen Novemberwolken sind die 383 Farbfotos, die der Fotograf Emil Jenne in seinem Band "1000 Jahre Höchstadt an der Aisch — Der Festzug am 20. Juli 2003" versammelt hat: Auf 224 Seiten wird der Höhepunkt des Jubiläumsjahres dokumentiert.

Ein heißer Sonntagnachmitttag im Juli. 68 Gruppen und Vereine mit 2000 Teilnehmern fiebern dem Festzug entgegen, auf den sie sich monatelang vorbereitet haben. Kostüme wurden ausgeliehen oder selbst genäht, Wagen geschmückt, Modelle und Requisiten gebaut und organisiert. Und nahezu perfekt ging der Zug dann über die Kleinstadt-Bühne, gesehen von etwa 15 000 Besuchern, die der gleißenden Sonne trotzten.

Wer sich dieses denkwürdigen Tags erinnern mag, ist mit dem Fotoband Emil Jennes gut beraten. In gestochen scharfer und — nicht selbstverständlicher — guter Druckqualität wird ein Panorama geboten von 1003 bis zur Gegenwart, von der Schenkungsurkunde über die Schrecken des 30-jährigen Kriegs bis zu Flüchtlingsnot und den Jugendkulturen des Jahrs 2003. Genau so sind die (Farb-)Fotografien geordnet, wer das Buch also von vorne bis hinten durchblättert, absolviert eine optische Zeitreise quer durch die Höchstadter Geschichte.

Dabei hat sich der 41-jährige Jenne, der in Heßdorf den Ein-Mann-Verlag "Mensch und Gedanke" betreibt, in dem auch der Festzug-Bildband erschien, unters Volk gemischt, mit seiner alten Canon A 1 und einer gebrauchten EOS 5 vorwiegend in Großaufnahmen die Ritter und Landsknechte, die Rokoko-Damen und Finde-Siècle-Badeschönheiten, die stolzen Rösser und schwanzwedelnden Hunde porträtiert.

Dem Bilderreigen vorangestellt ist ein Verzeichnis der teilnehmenden Gruppen mit Jahreszahlen und historischen Themen. Geholfen hat dem gebürtigen Oberbayern, der naturgemäß nicht alle Höchstadter kennt, bei der Identifizierung und Bildunterschriften Sebastian Schmidt. So ist das Buch noch ein kleines Höchstadt-Geschichtsbuch geworden. Notabene: Die z. T. ausführlichen Texte neben und unter den Fotos sind dank Schmidts Mithilfe nicht nur fachlich korrekt, sondern, wie eine erste Durchsicht ergab, auch frei von Rechtschreib- und Satzfehlern — auch dies heute nicht mehr selbstverständlich, zumal in einem Kleinverlag mit Kleinauflage. Die ist auch verantwortlich für die einzige Crux des Bandes: den Preis von 35,50 Euro. "Das Thema ist sehr ortsbezogen und nicht deutschlandweit zu vermarkten", sagt der Herausgeber fast entschuldigend dazu. Wer den Buchmarkt kennt, wird diesen Preis für die gebotene Ausstattung angemessen finden: fast durchgehend Vierfarbdruck auf Hochglanzpapier, fester Einband, Fadenheftung.

Dafür kann der Betrachter in Bildern und Erinnerungen schwelgen und womöglich sich oder Freunde und Bekannte entdecken. Jenne sind oft erstaunliche Momentaufnahmen gelungen, Schnappschüsse von Festzug-Teilnehmern aus nicht alltäglicher Perspektive, die in einem unaufdringlichen Layout komponiert worden sind. Dabei ist der Fotograf eher zufällig zum Festzug-Dokumentaristen geworden, sagt er. Der Falkner Alfons Zeiler habe ihn mehr oder minder dazu verleitet. Emil Jenne sieht sich inspiriert von seinen "religiös-philosophischen" Überzeugungen, als "neuzeitlicher Mönch": Ich hatte das Gefühl, Jesus will, dass ich dieses Risiko auf mich nehme." Gewinn werde nicht kalkuliert.

Doch all diese neuzeitliche Mystik tut der Qualität der Bilder keinen Abbruch.

1000 Jahre Höchstadt — Der Festzug am 20. Juli 2003. Eine fotografische Dokumentation von Emil Jenne ist erschienen im Verlag "Mensch und Gedanke", Heßdorf.
ISBN 3-9806684-1-X.
Pappbd., Fadenheftung, 224 Seiten, 383 Fotos. Der Bildband liegt in einigen Geschäften zur Ansicht aus; Bestellprospekte gibt es dort und in allen Filialen der Kreissparkasse. Am Festzug beteiligte Vereine und Gruppen können beim Verlag ein Musterexemplar anfordern:
Verlag Mensch und Gedanke, Hochstr. 29, 91093 Heßdorf, Telefon/Fax 09135/2512, E-Mail emil-jenne@verlag-mensch-und-gedanke.de.

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Fränkischer Tag
Samstag, 29. November 2003
Höchstadt und sein Umland, Seite 12
Foto: ad